Warum schwankt Silber stärker als Gold?
Wenn Sie die Kursverläufe der beiden Edelmetalle schon einmal verglichen haben, ist Ihnen wahrscheinlich aufgefallen: Silber zeigt deutlich größere Ausschläge als Gold. Im Folgenden stellen wir vor, welche Faktoren hinter diesem Phänomen stehen.
Die grundlegende Rolle der Marktgröße
Der globale Goldmarkt, also der Gesamtwert des an der Erdoberfläche vorhandenen Goldbestands, ist um ein Vielfaches größer als der vergleichbare Markt für Silber. Das bedeutet, dass ein Kauf oder Verkauf in gleicher Dollarhöhe im Verhältnis eine deutlich stärkere Wirkung auf den Silberpreis haben kann als auf den Goldpreis: In einem kleineren Markt kann eine Transaktion bestimmter Größe eine größere Preisbewegung auslösen.
Die Rolle des niedrigeren Handelsvolumens
Das tägliche Handelsvolumen von Silber liegt in Dollar ausgedrückt deutlich unter dem von Gold. Das kann den Effekt weiter verstärken, dass ein bestimmter Kauf oder Verkaufsdruck im Verhältnis eine größere Kursbewegung auslöst als eine vergleichbare Transaktion am Goldmarkt.
Die verstärkende Wirkung spekulativen Handels
Am Terminmarkt für Silber hat sich historisch zeitweise ein spekulativer Positionsbestand gebildet, der im Verhältnis zum tatsächlich lieferbaren physischen Bestand unverhältnismäßig groß war. Wenn solche Positionen rasch aufgelöst werden, sei es zur Gewinnmitnahme oder zur Verlustbegrenzung, kann dies verstärkte, schnelle Kursbewegungen auslösen, was die Volatilität von Silber gegenüber Gold zusätzlich erhöhen kann.
Die industrielle Nachfrage als zusätzliche Volatilitätsquelle
Die Nachfrage nach Silber stammt zu einem erheblichen Teil aus der Industrie, das bringt eine zusätzliche Volatilitätsquelle mit sich, die bei Gold weit weniger ausgeprägt ist: Konjunkturzyklen, Daten zur Industrieproduktion und technologische Trends können den Silberpreis beeinflussen, während sie den Goldpreis deutlich weniger berühren.
Wie groß kann dieser Unterschied sein?
In manchen Zeiträumen war die Volatilität von Silber historisch doppelt oder sogar dreifach so hoch wie die von Gold, dieses Verhältnis verändert sich jedoch selbst im Zeitverlauf und ist keine feste, dauerhafte Kennzahl. Die Wertentwicklung der Vergangenheit ist keine Garantie für die Zukunft, entscheidend ist eher das Bewusstsein, dass es sich um einen anhaltenden, deutlichen Unterschied handelt.
Was bedeutet das in der Praxis?
Größere mögliche Gewinne, aber auch größere mögliche Verluste. Die höhere Volatilität wirkt in beide Richtungen: Derselbe Mechanismus, der einen stärkeren Anstieg ermöglicht, kann auch einen stärkeren Rückgang verursachen, und das ist keine Garantie für eine der beiden Richtungen.
Das Halten kann emotional belastender sein. Wer Kursschwankungen schwer erträgt, für den können die größeren Ausschläge von Silber deutlich mehr Stress bedeuten als die vergleichsweise ruhigere Bewegung von Gold.
Die Positionsgröße ist ein wichtiger Aspekt. Einem volatileren Wert kann man in einem Sparvermögen einen im Verhältnis kleineren Anteil zuweisen als einem ruhigeren Wert, das hängt jedoch immer von Ihrer Situation und Ihrer Risikobereitschaft ab.
Warum ist höhere Volatilität nicht zwangsläufig ein Nachteil?
Höhere Volatilität ist an sich keine von vornherein negative Eigenschaft, wenn man bewusst damit umgeht und sie an die eigene Risikobereitschaft anpasst. Viele wählen Silber gerade deshalb als Ergänzung zu Gold: Sie nehmen die größeren Ausschläge in Kauf, in der Hoffnung auf ein höheres Renditepotenzial, dabei halten sie es bewusst mit einem geringeren Anteil als Gold. Das ist keine Garantie für ein bestimmtes Ergebnis, sondern nur ein möglicher Ansatz.
Wie sollten Sie mit dieser Volatilität umgehen?
Es sollte nur ein Betrag eingesetzt werden, dessen Verlust Sie verkraften könnten. Wegen der höheren Volatilität sind kurzfristig auch deutliche, mitunter unangenehme Rückgänge möglich.
Es lohnt sich, langfristig zu denken. Kurzfristige Ausschläge spielen eine geringere Rolle, wenn jemand für Jahre oder Jahrzehnte plant und nicht auf schnellen Gewinn aus ist.
Ein schrittweiser, regelmäßiger Kauf ist überlegenswert. Das kann helfen, das Timing-Risiko der höheren Volatilität auszugleichen, ähnlich wie wir es auch bei Gold empfehlen.
Ändert sich dieser Unterschied im Lauf der Zeit?
Ja, der Volatilitätsfaktor ist nicht konstant, sondern verändert sich laufend je nach Marktlage. In ruhigeren Marktphasen kann der Unterschied kleiner ausfallen, während er bei erheblicher Unsicherheit oder plötzlichen Angebots- und Nachfrageschocks weiter zunehmen kann. Das ist eine beobachtete Tendenz, kein Versprechen für die Zukunft.
Häufige Fragen
Warum schwankt der Silberpreis stärker als der Goldpreis? Vor allem durch das Zusammenwirken der kleineren Marktgröße, des niedrigeren Handelsvolumens, des größeren spekulativen Positionsbestands und der industriellen Nachfragekomponente.
Um wie viel volatiler ist Silber als Gold? Das verändert sich im Zeitverlauf, historisch war es oft doppelt oder dreifach so hoch wie bei Gold, das ist jedoch kein festes, dauerhaftes Verhältnis, und vergangene Daten garantieren die Zukunft nicht.
Ist höhere Volatilität ein Nachteil? Nicht von vornherein, wenn man bewusst damit umgeht. Viele wählen Silber gerade deshalb als risikoreichere Ergänzung zu Gold, das bleibt jedoch immer eine individuelle Abwägung.
Wie lässt sich das Risiko durch Volatilität verringern? Durch schrittweisen, regelmäßigen Kauf, eine langfristige Sichtweise und einen im Verhältnis kleineren Anteil im Sparvermögen als bei Gold. Auch das ist keine Garantie, sondern nur ein möglicher Ansatz.
Fazit
Die höhere Volatilität von Silber ergibt sich aus dem Zusammenwirken mehrerer Faktoren: die kleinere Marktgröße, das niedrigere Handelsvolumen, der größere spekulative Positionsbestand und die industrielle Nachfragekomponente tragen alle dazu bei. Diese höhere Volatilität ist nicht von vornherein negativ, erfordert aber einen bewussten Umgang: mit realistischen Erwartungen, einer angemessenen Positionsgröße und einer langfristigen Sichtweise. Die passende Entscheidung hängt immer von Ihrer Situation ab, vor einer Entscheidung sollten Sie auch eine unabhängige fachliche Einschätzung einholen.
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